Lesungen, die begeistern – Teil 1

Um den Verkauf ihrer Bücher anzukurbeln und um von sich reden zu machen, veranstalten AutorInnen häufig Lesungen. Mit der richtigen Vorbereitung und einer gekonnten Durchführung wird eine solche Veranstaltung zu einem vollen Erfolg. Im ersten Teil dieses Artikels geht es um die Vorbereitung.

Perfekte Textpassagen heraussuchen

Perfekte Textpassagen heraussuchen
Perfekte Textpassagen heraussuchen

Wecken Sie bei Ihrem Publikum die Lust auf mehr! Um dessen Aufmerksamkeit zu erlangen, wählen Sie gezielt Textpassagen aus. Diese sollen neugierig machen, dürfen aber nicht zu viel vom Inhalt verraten. Ihr Ziel wird es sein, die Besucher im Laufe der Veranstaltung zum Erwerb eines oder mehrerer Exemplare Ihres Buches zu bewegen. Suchen Sie sich daher Textstellen heraus, in denen zum einen die Handlung nicht zu kurz kommt und zum anderen interessante Dialoge aufhorchen lassen.

Damit Sie während der Lesung nicht so viel hin und her blättern müssen, ist es hilfreich, wenn Sie nicht direkt aus dem Buch vorlesen, sondern die betreffenden Textstellen in einem Dokument zusammenfassen. Es ist durchaus in Ordnung, den eigenen Text ein wenig zu verändern, besonders wenn Sie kurze Passagen stückeln. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand ein Buch selbst liest oder zu einer Lesung geht.

Sprechen Sie mit dem Veranstalter einen Zeitrahmen ab. Soll am Stück gelesen werden? Gibt es eine Pause? Wie lange wird die Lesung insgesamt dauern? Eine gute Stunde ist eine gute Vorgabe für eine Lesung.

Blogger und Presse einladen

Blogger und Presse einladen
Blogger und Presse einladen

Sprechen Sie mit dem Veranstalter ab, wer die Regionalpresse informiert. Kümmert sich dieser nicht darum, nehmen Sie die Fäden in die Hand. Informieren Sie sich, welche Zeitungen vor Ort gelesen werden. Schauen Sie auf der entsprechenden Webseite nach, welcher Redakteur sich um das Kulturelle kümmert. Können Sie dies auf diesem Wege nicht in Erfahrung bringen, rufen Sie an und fragen, wer der entsprechende Redakteur ist. Wenden Sie sich alternativ an den Chefredakteur.

Laden Sie den Verantwortlichen persönlich ein. Bitten Sie um eine Vorberichterstattung ein paar Tage vor der Lesung. Die Chancen einer Veröffentlichung stehen besser, wenn Sie einen Pressetext vorbereiten. Liefern Sie Fotos von sich (aber bitte professionelle Bilder und keine Schnappschüsse) und ein Bild vom Cover Ihres Buches mit. Wichtig ist es, den Redakteur auch zur Lesung selbst einzuladen. Schließlich möchten Sie ja, dass im Anschluss daran über Sie und Ihr Werk berichtet wird. Sie können der Redaktion auch anbieten, drei Exemplare signiert und hübsch verpackt als Verlosungsexemplare zur Verfügung zu stellen. Bieten Sie an, die Bücher selbst zu den Gewinnern zu bringen.

Neben der Presse können Sie auch Blogger einladen. Auf den meisten Blogs finden Sie im Impressum den Ort, an dem der Blogger zu Hause ist. Zugegeben, das ist ein bisschen Arbeit, aber sie kann sich lohnen. Organisieren Sie dem Blogger eine Freikarte (oder besser zwei, niemand geht gern allein zu einer Lesung) und bieten Sie ihm vor oder nach der Lesung ein Gespräch oder ein Interview an.

Sprachtraining machen

Buchen Sie ein Sprachtraining bei einem Sprachtrainer oder einem Logopäden. Hier erlernen Sie verschiedene Sprechtechniken, durch deren Einsatz Ihre Lesung lebendiger wird. Gerade Personen, die es nicht gewohnt sind, vor einem großen Publikum zu sprechen, bekommen in einem solchen Training einen zusätzlichen Motivationsschub. Unter anderem lernen Sie zu reden, ohne dabei zu ermüden oder gar heiser zu werden.

Textpassagen vorher üben, üben, üben

Textpassagen vorher üben, üben, üben
Textpassagen vorher üben, üben, üben

Bevor ein Schauspieler auf die Bühne geht, übt er seinen Text. Okay, er muss ihn ja auch auswendig kennen, denken Sie jetzt bestimmt. Und da gebe ich Ihnen recht. Doch es kann nicht schaden, wenn auch Sie Ihre Texte aus dem Effeff kennen. Üben Sie daher vor der Lesung immer wieder laut zu lesen. Am besten vor Publikum und mit Mikrofon. Viele, die während der Lesung erstmals ihre Mikrofonstimme hören, sind erschrocken darüber, und das bringt sie durcheinander. Das Publikum bemerkt dadurch entstehende Unsicherheiten sehr schnell. Bereiten Sie sich also gut vor!

Autogrammkarten

Viele Leser sind nicht mit einer bloßen Signatur im Buch zufriedenzustellen. Sie wünschen sich Autogrammkarten. Diese können Sie ohne großen Aufwand herstellen lassen. Sparen Sie aber bitte nicht an der verkehrten Stelle. Ihr Foto sollte von einem professionellen Fotografen gemacht werden. Bitte keinen Schnappschuss aus dem letzten Urlaub verwenden. Autogrammkarten drucken zu lassen kostet nicht viel. Vielleicht übernimmt das ja auch Ihr Verlag – fragen Sie doch einfach mal nach.

Werbung

Sprechen Sie mit dem Veranstalter ab, wer die Werbung für die Lesung übernimmt. Handelt es sich um eine Buchhandlung, wird häufig in Werbeplakate investiert, die im Geschäft ausgehängt werden. Daneben können die Buchhändler Kunden aktiv auf die Lesung aufmerksam machen. Es empfiehlt sich, Plakate auch in benachbarten Cafés oder Geschäften aufzuhängen. Fragen Sie freundlich an, ob das in Ordnung ist. Nehmen Sie bei der Verteilaktion Tesafilm mit und bringen Sie das Plakat selber an. Dann können Sie sicher sein, dass es auch aufgehängt wird. Parallel dazu kann es hilfreich sein, in Heimatmuseen, Heimatstuben und weiteren Kultureinrichtungen sowie im örtlichen Rathaus um Unterstützung zu bitten.

Veranstalter

VeranstalterAchten Sie im Bezug auf den Veranstalter darauf, dass auch er am Gelingen der Lesung interessiert ist. Er wird den Raum, in dem die Lesung stattfindet, einladend herrichten. Zudem ist zu überlegen, ob die Räumlichkeiten groß genug sind und wie es um die Akustik bestellt ist. Ist eventuell eine Mikrofonanlage erforderlich? Testen Sie diese im Vorfeld ausgiebig. Achten Sie dabei besonders auf mögliche Rückkopplungen und denken Sie daran, dass sich die Akustik verändert, sobald viele Menschen im Raum sind.

Um die Atmosphäre noch etwas gemütlicher zu gestalten, können auch Teelichter aufgestellt oder ein Glas Wein angeboten werden. Überlegen Sie, was Sie während einer Lesung begeistern würde. Ziel ist es nämlich auch, dass die Besucher begeistert sind und zu Hause und im Freundeskreis über die Lesung, Ihr Buch und über Sie reden. Eine wohlwollende Mund-zu-Mund-Propaganda ist eine sehr gute Werbung.

Sprechen Sie den Veranstalter auch auf Ihr Honorar an. Buchhändlern ist klar, dass Sie für Ihre Arbeit bezahlt werden möchten. Der Verband deutscher Schriftsteller empfiehlt 300,– Euro Lesungshonorar für Lesungen mit anschließender Diskussion – seien Sie selbstbewusst! Um als Selfpublisher überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen, kann es sinnvoll sein, eine Kooperation z. B. mit einer wohltätigen Organisation einzugehen. Vielleicht passt ja ein soziales Projekt zu Ihrem Buch. Eine Kooperation könnte so aussehen, dass sich die soziale Einrichtung um die Werbung und den Veranstaltungsraum kümmert und Sie im Gegenzug auf Ihr Honorar verzichten.

Lesen Sie im nächsten Teil „Lesungen, die begeistern – Teil 2: Die Lesung selbst“


Über die Autorin

13Kathrin Bolte arbeitet seit 10 Jahren in ihrer eigenen Agentur für Onlinemarketing und hat sich hier auf das Social Media Marketing und die Pressearbeit spezialisiert. Sie arbeitet zudem als freie Redakteurin, ist Blogger mit Leib und Seele. Bei den Romanmentoren kümmert sich sie um alle Belange der Pressearbeit und den Social Media Bereich. Weitere Informationen unter www.kathrin-bolte.de