Konzeptkontrolleure und Fehlerjäger – Gibt es einen Unterschied zwischen dem Lektorat und dem Korrektorat?

 

Ja, den gibt es, und er liegt in der Art, wie beide ein Manuskript bearbeiten.

Schauen wir uns zunächst an, was genau eigentlich eine Lektorin1 macht. Sie liest ein Manuskript zunächst in Hinsicht auf gleich mehrere Fragestellungen: Funktioniert der Plot? Handeln die Figuren logisch bzw. innerhalb ihrer Anlage nachvollziehbar und stringent? Gibt es Löcher in der Geschichte („plotholes“), also unlogische Stellen, fehlende Erklärungen, Sprünge im Ablauf? Ist die Geschichte so erzählt, dass sie für den vorgegebenen Programmplatz stimmig ist? Oder auch: Bringt der Autor das rüber, was er rüberbringen will?

Im Allgemeinen wird eine Lektorin den Autor bitten, das Manuskript noch einmal zu überarbeiten, nachdem sie den ersten Lektoratsdurchgang abgeschlossen hat. Erst danach, im zweiten Lektoratsdurchgang, geht es dann der Sprache an den Kragen. Dann liest die Lektorin den Text noch einmal und achtet dabei auf schlechte Formulierungen, Wortwiederholungen, Manierismen, eben alles, was man bei einem Text auf der sprachlichen Ebene noch verbessern kann. Auch diesen Durchgang muss der Autor anschließend noch einmal überarbeiten.

Gute Lektorinnen verstehen ihre Anweisungen übrigens als Vorschläge. Es wird immer wieder vorkommen, dass ein Autor anderer Meinung ist als die Lektorin. In Hinsicht auf eine gute Zusammenarbeit sollte man versuchen, über strittige Fälle miteinander ins Gespräch zu kommen. Eine gute Lektorin wird immer Argumente für ihre Änderungsvorschläge haben, und es lohnt sich oft, diese in Erwägung zu ziehen.

Erst wenn alle Überarbeitungsgänge zwischen Lektorin und Autor abgeschlossen sind, kommt das sogenannte Korrektorat ins Spiel. Oft sitzen im Korrektorat noch einmal andere Menschen, die sich den Text nun ein weiteres Mal (oder sogar zweimal) vornehmen. Korrektorinnen und Korrektoren suchen nur noch nach Schreib- und Grammatikfehlern. Sie vereinheitlichen die Rechtschreibung, die noch immer bei vielen Autoren zwischen alt und neu schwankt, finden auch die Fehler, die ein Rechtschreibprogramm übersieht und geben dem Text so den allerletzten Schliff. Den Arbeitsgang des Korrektors bekommt der Autor übrigens im Allgemeinen nicht mehr zu Gesicht.


1 Aus Gründen der Lesbarkeit spricht dieser Artikel von Lektorinnen und Autoren. Das jeweils andere Geschlecht ist selbstverständlich mitgemeint.


Über die Autorin

Kathrin LangeKathrin Lange ist Autorin von historischen Romanen und Thrillern. Sie gibt Schreibseminare, aktuell u. a. an der Bundesakademie für kulturelle Bildung e.V. in Wolfenbüttel. Seit 2007 coacht sie Autoren zum eigenen Roman. Einige ihrer Schüler wurden nach der Veröffentlichung bereits mit Preisen ausgezeichnet. Kathrin Langes Jugendbuch „Schattenflügel“ stand auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Bei den Romanmentoren arbeitet sie mit einem langjährig bewährten Coaching-Konzept. Mehr Infos unter:http://www.kathrin-lange.de