Einen Verlag/eine Agentur anschreiben

Vorab

Wer sich dazu entschließt, sein Buch einem Verlag oder einer Agentur anzubieten, tut dies häufig, weil er sich erhofft, mit dem Buch Geld zu verdienen. Denn um einfach nur ein Buch zu veröffentlichen, braucht es heutzutage beides nicht mehr.

Natürlich gibt es auch Selbstverleger, die Geld verdienen, aber um diesen Punkt zu erreichen, muss erst einmal in die Qualität des Buches und dessen Vertrieb und Marketing investiert werden. Bringt man sein Buch bei einem Verlag unter, so ist diese Investition dessen Aufgabe. Und wir reden hier über fünf- bis sechsstellige Investitionen, die der Verlag in das Manuskript steckt, bevor für ihn nur ein Cent zurückfließt. Also ist es leicht nachzuvollziehen, dass die Motivation des Verlages in der Regel ist, das investierte Geld wieder zu erwirtschaften und im besten Fall auch noch Gewinn zu machen. Als Hinweis: Es gibt natürlich auch besonders literarische Projekte, deren Finanzierung über Förderungen läuft, das ist aber ein anderes Thema.

Das bedeutet nun im Klartext: Natürlich ist dem Verlag auch die Qualität des Manuskripts wichtig, ja es ist Voraussetzung. Aber ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen, daher kommt es eben auch auf die Vermarktbarkeit eines Buches an.

Schritt 1: Welchen Verlag/welche Agentur schreibe ich an?

Bevor das Schreiben überhaupt formuliert wird, ist es wichtig, sich zu überlegen, wer der Empfänger sein soll. Die meisten Verlage und viele Agenturen haben einen thematischen Schwerpunkt. Es leuchtet jedem ein, dass man seine Kartoffeln nicht in der Autowerkstatt kauft, warum sollte dann ein Kinderbuchverlag einen blutigen Krimi veröffentlichen.

Also: Vorher informieren, wofür der Verlag/die Agentur eigentlich steht. Bei großen Verlagen ist das nicht einfach, da sie sehr viele unterschiedliche Bereiche abdecken – hier ist es dann sinnvoll, nicht einfach dem Verlag zu schreiben, sondern sich an die jeweilige Abteilung, das jeweilige Imprint oder die jeweilige Edition zu wenden.

Schritt 2: Was macht mein Buch einzigartig?

Wichtig sind für Verlag/Agentur die Informationen, die bei der Entscheidung helfen, ob das Buch in ein spezielles Programm passt und ob es einen Markt für dieses Thema gibt. Diese Informationen sollten beim Anschreiben möglichst eindeutig formuliert werden und einfach zu finden sein. Sie gehören also möglichst an den Anfang des Schreibens, nicht in die Fußnote nach der Leseprobe.

Schritt 3: Was gehört alles ins Anschreiben?

Viele Verlage haben auf ihrer Homepage eindeutig hinterlegt, welches Material sie benötigen, das sollte auf jeden Fall berücksichtigt werden.

Das Anschreiben sollte maximal eine Seite lang sein. Bitte nicht hineinschreiben, dass die Mama, der Papa, der Ehemann, die Kinder das Buch gaaanz toll fanden und gesagt haben, es müsse unbedingt veröffentlicht werden. Nichts gegen die Familie, aber unvoreingenommen ist sie selten. Wenn Referenzen angeführt werden, dann am besten namenhafte aus der Branche – ja, die sind nicht leicht zu bekommen.

Formale, „gesetzliche“ Vorgaben, nach denen oft gefragt wird, gibt es nicht. Alle Unterlagen sollten ordentlich, lesbar und nach den Regeln des gesunden Menschenverstands formatiert sein (keine dunkelblaue, künstlerische Schrift auf schwarzem Papier zum Beispiel).

Das Schreiben muss nicht um jeden Preis an jemanden gerichtet werden, da die Lektoratsabteilung sich die Arbeit oft teilt. Also einfach ans Lektorat adressieren, das reicht in der Regel aus.

Schritt 4: Hintergrundinformationen müssen mit.

Wichtig ist auch, dass beschrieben wird, was für ein Manuskript man schickt. Dazu gehören nicht nur das Genre und der Stil, sondern auch:

Welchen Umfang hat es? (in Normseiten, in der Regel 1.800 Zeichen)

Wann ist das Buch fertig – oder ist es schon fertig?

Ist das Buch Teil einer Serie?

Wenn es Illustrationen, Zitate enthält: Sind die Rechte geklärt oder noch zu klären?

Und besonders wichtig: Marketingideen aus dem Wirkungskreis des Autors (also nicht: „Schalten Sie doch eine Anzeige im Spiegel“, sondern: „Ich habe einen Literaturblog mit Tausenden von Lesern, dort stelle ich das Buch vor“.)

Schritt 5: Die Autorenvita

Für den Verlag ist es interessant, wer der Autor eigentlich ist. Hat er Ahnung vom Inhalt seines Buches? Arbeitet er schon lange als Autor? Hat er Kontakte, die für das Marketing des Buches hilfreich sein könnten?

Alle Hinweise, die für den Verkauf des Buches relevant sein können, sind für den Verlag interessant. Alles andere nicht! Daher bitte keine epische Autobiografie anfügen mit genauester Schilderung von Kindergartenerlebnissen.

Schritt 6: Das Manuskript

Bitte kein komplettes Manuskript zuschicken! Ein erfahrener Lektor braucht maximal 30 Seiten, um zu entscheiden, ob das Manuskript für den Verlag interessant sein könnte oder nicht. Das wird an Punkten, wie z. B. wie viel stilistische Nacharbeit nötig ist oder ob der Anfang überhaupt fesselt, festgemacht. Also bitte maximal 30 Seiten einschicken, den Rest auf Anfrage – es sei denn, etwas anderes ist gefordert.


Über die Autorin

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .