Drei Grundregeln zum Verlagsvertrag für Ihr Buch

Und dann ist es endlich soweit, man hält seinen ersten Buchvertrag in den Händen! Herzlichen Glückwunsch, der Schritt zur Veröffentlichung ist geschafft!

Doch die wenigsten Autoren sind auch Juristen, und so wirkt die seitenlange Aufzählung von Rechten und Pflichten in einem Autorenvertrag erst einmal sehr einschüchternd. Aber auch wenn es auf den ersten Blick undurchsichtig erscheint, es gibt einige einfache Regeln, die Ihnen helfen festzulegen, ob der Vertrag für Ihr Buch in Frage kommt oder nicht. Sandra Thoms von den Romanmentoren hat diese Regeln für Sie verständlich zusammengefasst.

1. Sie bekommen ein Honorar für Ihre Arbeit

Die wichtigste Faustregel lautet, dass Sie als Autor für Ihre Schreibarbeit bezahlt werden und nicht Sie den Verlag bezahlen. Das bedeutet, dass Sie für die Veröffentlichung des Buches nichts bezahlen, sondern ein Honorar erhalten. Das Honorar ist in der Regel ein Prozentsatz vom Gewinn, den das Buch macht und bei größeren Verlagen auch ein Vorabfixum. Die sogenannten Druckkostenzuschussverlage gelten als die schwarzen Schafe der Branche, sie verlangen von ihren Autoren vorab Geld für die Veröffentlichung. Gegen diese unseriösen Geschäftspraktiken gehen seriöse Verlage schon länger vor.

Aber: Nicht jeder, der Geld verlangt, ist ein Druckkostenzuschussverlag! Bei wissenschaftlichen Werken wird eine Zahlung fällig, wenn das Fachgebiet zu speziell ist und der Leserkreis damit zu klein für eine wirtschaftliche Vermarktung.

Ebenso fallen Kosten kann, wenn Sie Ihr Buch nicht zu einem Verlag, sondern zu einem Verlagsdienstleister geben (z. B. BOD). Dem Dienstleister übertragen Sie keinerlei Rechte an Ihrem Buch, sondern beauftragen ihn mit dem Lektorat, der Herstellung, dem Vertrieb oder dem Marketing. Und für diese Dienstleistung bezahlen Sie.

2. Sie sind der Autor, Ihnen gehören die Urheberrechte

Als Autor haben Sie die Urheberrechte an Ihrem Text. Diese können Sie auch nicht weggeben, die bleiben immer bei Ihnen. Der Verlag erhält von Ihnen die Nutzungsrechte am Buch. D. h. der Verlag lektoriert den Text auf seine Kosten, stellt das Buch her und vertreibt es. Er darf den Text also „nutzen“. Und als Gegenleistung für diese Vorfinanzierung erhält der Verlag einen Teil des Gewinns Ihres Buches, von dem Sie ebenfalls Ihren Anteil erhalten.

Ein Verlagsvertrag wird daher niemals nach Ihren Urheberrechten fragen.

3. Nachfragen!

Wenn Sie Formulierungen nicht verstehen oder sich nicht vorstellen können, was sie bedeuten, fragen Sie nach! Ein seriöser Verlag wird Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen alle Punkte des Vertrags erklären. Wenn niemand Zeit für Sie hat oder Sie nur Marketingfloskeln als Antwort erhalten, sollten Sie stutzig werden. Generell: Der Verlag und Sie haben das gleiche Ziel, nämlich Ihr Buch zu veröffentlichen und es möglichst oft zu verkaufen! Sie arbeiten also miteinander und nicht gegeneinander und der Verlagsvertrag ist eine gegenseitige Einverständniserklärung.

Eine Mustervorlage für Verlagsverträge wurde vom Börsenverein des deutschen Buchhandels und dem Verband der Schriftsteller in ver.di erarbeitet und ist unter diesem Link zu finden.

Sie sehen, ein Verlagsvertrag muss kein Buch mit sieben Siegeln sein. Nehmen Sie sich in jedem Fall ausreichend Zeit, um ihn zu studieren. Trauen Sie sich nachzufragen. Es sollten keine Fragen offen bleiben.

Über die Autorin:

thoms_72dpiSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .