Der richtige Name für Helden oder Bösewichte

Ein Name sagt immer etwas aus. Zum Beispiel über die Nationalität der Person, die ihn trägt. Über ihre Familiengeschichte. Oder ihr Alter. Oder ihr politisches oder soziales Umfeld. Selbst vermeintlich neutrale Namen verraten gerade durch ihre Neutralität die Intention der Eltern, das Kind so wenig wie möglich vorzubelasten. Wenn man dann noch den Nachnamen dazunimmt, hat man schon ziemlich viele Informationen über eine Person. Was ein Grund ist für die immer wieder aufkommende Diskussion, Job-Bewerbungen ohne Namen weiterzugeben. Denn Menschen verhalten sich nicht neutral, jeder assoziert bei bestimmten Namen etwas – bewusst oder unbewusst –, und das beeinflusst seine Entscheidung.

Natürlich gilt das auch für Namen von Romanfiguren. Während Eltern bei der Namenswahl ihres Kindes den Nachnamen nur teilweise beeinflussen können und beim Vornamen keine Garantie haben, ob denn nun aus der süßen kleinen Lina auch eine süße erwachsene Lina wird oder der kleine Alexander sich mal zum eroberungsbereiten erwachsenen Alexander entwickelt, wissen Autoren sehr genau, wie ihre Figur aussieht und sich verhält. Dementsprechend sollte auch ihr Name zu ihr passen – oder eben nicht, auch das sagt etwas aus.

Als Meister in Sachen Namensgebung von Romanfiguren gilt unter anderem Thomas Mann. Besonders bei den „Buddenbrooks“ beachtet der Autor sowohl die klassenspezifische Signalwirkung bestimmter Namen als auch die Namensmoden des 19. Jahrhunderts.

In den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts waren französische Namen in Mode, so heißt dann der Patriarch der Familie auch „Jean“. Danach wurden wieder deutsche Namen modern, weshalb der Sohn „Johann“ heißt. Der Wortführer der Rebellen heißt „Corl Smolt“. Der Vorname ist eine Dialektvariante und der Nachname bedeutet „Schmalz“ – beides für die damalige Zeit Zeichen der Zugehörigkeit zur Unterschicht. Sein Gegner kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus und heißt „Leberecht Kröger“. Auch hier ist der Nachname in den sozialen Strukturen der Zeit ein Zeichen für die Oberschicht, und „Leberecht“ als sehr sprechender Name weist auf das Selbstverständnis des Trägers hin.

Ein sehr schönes Beispiel für die Wirkung von Namen ist auch der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marques. Seine Hauptfigur heißt José Arcadio Buendía. Dieser hat zwei Söhne, José Arcadio und Aureliano. Der Sohn seines Sohnes José Arcadio heißt José Arcadio. Der Sohn seines Bruders Aureliano usw. Über Generationen folgt man nun im Roman der Geschichte all dieser Personen, und irgendwann wird es schwer, den Vater vom Sohn oder vom Großvater zu unterschieden – was der vom Autor angestrebte Effekt ist, weil man so die Zeit vergisst, die vergeht. Abgesehen davon ist die Namensgebung sehr realistisch, da auch besonders in katholisch geprägten Gegenden der Erstgeborene den Namen des Vaters erhält.

Das heißt: Das Finden des richtigen Namens ist nicht leicht. Aber auch hier gibt es Hilfe aus dem Internet in Form unzähliger Namensgeneratoren.

Wer zum Beispiel explizit einen deutschen Namen sucht, kann es ja mal mit diesem Namensgenerator versuchen.

Wer eher internationale Namen braucht, dem hilft dieses Tool weiter.

Und wer den Namen des Bösen wissen möchte, wird bei seventhsanctum fündig.

Wem das alles nicht ausreicht, der findet hier eine umfassende Liste von Namensgeneratoren – hier ist vom Porno-Darsteller bis zum Hobbit-Namen alles dabei.


Über die Autorin:

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .