Worauf es bei der Covergestaltung ankommt (von Andrea Barth)

Oberer Reihe von links nach rechts: Sabine Dunst, Kim Hoang, Carolina Reisinger, Markus Weber, Stephanie Gauger Untere Reihe: Julia Jonas, Andrea Barth, Claudia Castiglione, Konstantin Ordoulidis (freier Programmierer)
Oberer Reihe von links nach rechts: Sabine Dunst, Kim Hoang, Carolina Reisinger, Markus Weber, Stephanie Gauger
Untere Reihe: Julia Jonas, Andrea Barth, Claudia Castiglione, Konstantin Ordoulidis (freier Programmierer)

Seit nun über 15 Jahren bin ich Grafikerin mit der Spezialisierung auf Buchcovergestaltung. Seit 8 Jahren mit eigener Agentur: die Guter Punkt GmbH & Co. KG. Zusammen mit meinem Kollegen Markus Weber führe ich ein Team von 6 Grafikern. Zu unseren Kunden gehören Random House, der Piper Verlag, der Dryas Verlag, der Fischer TOR Verlag, Droemer Knaur und auch der Lübbe Verlag.

Wenn man von seinem Beruf erzählt, tauchen häufig dieselben Fragen auf. Ich freue mich sehr, dass die Romanmentoren mich hier ein bisschen erzählen lässt, wie wir bei unserer Arbeit vorgehen und was ein gutes Cover ausmacht.

Das Cover ist ein wichtiges Marketinginstrument. Im Prinzip funktioniert es wie ein Werbeplakat: Es muss auf den ersten Blick deutlich machen, worum es geht und wer angesprochen werden soll. Beobachten Sie sich selbst: Welche Bücher nehmen Sie in einer Buchhandlung in die Hand? Stellen Sie sich die Frage, warum das Cover Sie angesprochen hat.

Doch zunächst zum »Handwerkszeug«, den Programmen: Wir arbeiten mit Photoshop und InDesign, den professionellen Grafikprogrammen aus der Adobe-Familie. Ebenfalls häufig in Benutzung ist Adobe Illustrator, besonders wenn es sich um grafische Motive für ein Cover handelt.

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, ist, ob ich die Bücher vor der Gestaltung lese. Die Antwort ist ganz klar: Nein! Das ginge zeitlich gar nicht, aber auch weil viele Bücher tatsächlich zum Zeitpunkt der Covergestaltung noch nicht geschrieben oder übersetzt sind. Verlage haben häufig eine sehr lange Vorlaufzeit, bis ein Buch erscheint. Wir arbeiten manchmal bis zu einem Jahr vor dem Erscheinen eines Buches schon am Cover.

 

Was brauchen wir also, um beginnen zu können? Hier eine kleine Liste der Informationen:

  • Autorenname, Titel, ggf. Untertitel
  • Format und Art des Buches (Taschenbuch, Hardcover, Hardcover mit Schutzumschlag …). Die Rückenbreite, also die Dicke des Buches, benötigen wir noch nicht, wenn es zunächst nur um das Cover geht.
  • kurze Inhaltsangabe
  • Gibt es besondere Wünsche des Autors/Verlags, was auf dem Cover abgebildet werden soll (Landschaft, Personen, Gegenstände, fantastische Wesen oder etwas, das im Buch eine besondere Rolle spielt)?
  • Gibt es ein Verlagslogo und Gestaltungsvorgaben, die eingehalten werden müssen?

Wenn wir die Eckdaten haben, machen wir in der Regel ein kurzes Brainstorming. Wir machen uns also Gedanken, welche Art von Gestaltung wir brauchen … etwas Sachliches, etwas Romantisches, wird es ein Thriller?

Wichtig ist hier, nicht zu versuchen, den gesamten Inhalt des Buches auf dem Cover unterzubringen. Weniger ist mehr! Die Fläche eines Buchcovers ist nun mal recht klein und das Hauptziel lautet: NEUGIERIG MACHEN! Das Cover soll locken, nicht schon die ganze Geschichte erzählen. Es kommt meist nur darauf an, die Stimmung zu vermitteln und nicht, den Titel des Buches 1:1 in Bilder umzusetzen. Wenn der Titel z. B. lautet: »Eine Muschel im Sand«, dann sollten nicht auch noch Muschel und Sand das Bildmotiv stellen.

Wenn man ein Konzept für das Cover und eine Bildidee im Kopf hat, geht es an die Bildersuche. Verschiedene Bildagenturen und Fotografen bieten eine reiche Auswahl an Motiven. Dennoch ist das hundertprozentig Passende natürlich nicht einfach so zu finden. Da kommt dann Photoshop zum Einsatz. Es gibt Buchcover, auf denen mehr als 10 unterschiedliche Bilder zu einem neuen Composing verarbeitet wurden.

Ein konkretes Beispiel ist dieses Cover:

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Das Haus, die Frau, die Wolken, die Vögel, die Ornamente, die Wiese im Vordergrund: Das sind alles einzelne Bilder, die in einer Komposition verbunden wurden.

Für gute Bildmotive kann man tatsächlich ein kleines Vermögen ausgeben. Die lizenzfreien (und daher günstigeren) Agenturen werden inzwischen immer besser in ihrem Angebot. Wenn es um besondere Motive wie z. B. einen Drachen geht, muss in der Regel eine Illustration angefertigt werden. In solchen Fällen machen wir eine grobe Skizze oder beschreiben unsere Bildidee und geben damit die Coverillustration an einen externen Illustrator. Da ist allerdings mit Beträgen zwischen 400 und 1.000,– Euro zu rechnen.

Auf keinen Fall dürfen Bilder, die bei Google zu finden sind, einfach für ein Cover benutzt werden. Die Bildrechte müssen geklärt sein!

Doch nicht nur das Bildmotiv hat großen Einfluss auf die Wirkung des Covers, auch die Typografie. Schon mit der Schrift lässt sich so viel aussagen, kann das Genre vermittelt und eine Wirkung beim Leser ausgelöst werden. Wir arbeiten mit einem sehr großen Fundus an Schriften – und sind dennoch stets auf der Suche nach neuen, ungewöhnlichen Schriften. Auch dafür kann man eine Menge Geld ausgeben, denn viele Schriften sind nur für den privaten Gebrauch kostenlos.

Die Typografie braucht auf dem Cover meist einen guten Platz. Und zwar dort, wo sie das Bildmotiv nicht stört, gut lesbar ist und eine optimale Wirkung hat. Es gibt auch Buchcover, bei denen das Covermotiv eine untergeordnete Rolle spielt und die Typografie den größeren Raum einnimmt. Hier ein Beispiel:

 

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Die Gestaltung eines Covers vom perfekten Bild bis zur fertigen Typografie kann ein bis zwei Tage dauern. In der Regel senden wir unseren Kunden mindestens zwei unterschiedliche Entwürfe. Es kann geschehen, dass der passende Entwurf nicht dabei ist. Dann gehen wir neu heran, versuchen aber genau zu klären, warum neue Entwürfe benötigt werden.

Wenn das Buch später in Druck geht, informiert uns die Druckerei oder der Verlag über die Rückenbreite und wir legen den kompletten Umschlag druckfertig an. Bei einem reinen E-Book fällt dieser Schritt weg.

  

Hat das Cover Einfluss auf den Verkauf eines Buches? Ja und nein. Es gibt Bestseller, bei denen das Cover kaum eine Rolle spielt – der Inhalt stimmt einfach. Und wenn ein bereits bekannter Autor veröffentlicht wird, ist es fast egal, wie das Cover aussieht. Doch ein unbekannter Autor braucht auf jeden Fall ein gutes Cover, um auf sich aufmerksam zu machen und die Leser anzusprechen.

Ein gutes Cover kann sicherlich einem schlechten Buch zu etwas höheren Verkaufszahlen verhelfen, doch letztlich ist es dann eine Mogelpackung und das Buch wird nicht weiterempfohlen. Ein schlechtes Cover kann einem guten Buch auch Steine in den Weg legen, denn das Buch erhält weniger Aufmerksamkeit, obwohl es wert wäre, gelesen zu werden.

Doch was macht ein gutes Cover aus? Ich denke, das Cover muss die Stimmung des Buches einfangen. Es muss den Betrachter locken und ihn letztlich dazu verführen, das Buch in die Hand zu nehmen. Das Gesamtkonzept von Bild und Typografie muss stimmen und zu guter Letzt wie ein kleines Plakat funktionieren. Es muss die Zielgruppe treffen und sollte auf jeden Fall den Charakter des Buches wiedergeben.

Ein gutes Cover schafft etwas Eigenes, durchbricht Sehgewohnheiten und fängt den Blick, weil es heraussticht.

Was macht ein schlechtes Cover aus?

Für mich sind die »Kapitalfehler« folgende:

  • zu viel auf dem Cover darstellen zu wollen. Es muss nicht die ganze Geschichte mit dem Cover erzählt werden.
  • 1:1-Visualisierung des Titels
  • schlechte Typografie: nicht lesbare Schriften oder Schriften, die den Charakter des Buches nicht treffen
  • schlecht retuschierte Bilder: Man darf nicht sehen, dass etwas neu zusammengestellt wurde.

Doch was ein gutes und was ein schlechtes Cover ist, ist auf jeden Fall auch immer eine subjektive Empfindung des Betrachters. „Don’t judge a book by its cover“, aber unterschätzen Sie auch nicht die Wirkung eines guten Covers!

Viel Erfolg für Ihr Buchprojekt wünschen
Andrea Barth und die Guten Punkte (www.guter-punkt.de)guterpunkt_Logo_web