Darf man den genialen Buchtitel, den man erdacht hat, auch verwenden?

printing-plate-1030849_1280Buchtitel sind nach Markengesetz §§ 5, 15 geschützt, wenn sie eine eigene Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft besitzen. Dieses Recht gewährt Schutz vor Verwechslung, und wird es missachtet, kann der Rechteinhaber Schadensersatz fordern. Daher lohnt es sich, vorher zu prüfen, ob es den Buchtitel, den man sich ausgesucht hat, bereits gibt.

Wann kann ein Titel geschützt werden?

Es kann nur der Titel eines existierenden Werkes geschützt werden, das heißt, nach seinem Erscheinen erhält der Buchtitel automatisch Titelschutz. Gibt es das Buch noch nicht, ist der Titel auch nicht geschützt. Beim Titelschutz gilt immer der Titel als geschützt, der zuerst veröffentlicht wurde, egal ob großer Verlag, kleiner Verlag oder Selfpublisher.

Allerdings wird ein Titelschutz auch bei Büchern, die kurz vor dem Erscheinen angekündigt werden, gewährt. Das heißt, niemand muss sich Sorgen machen, dass er sein Buch vor Erscheinen bewirbt und dann der Titel von einem anderen Autor ausgewählt wird. Schon mit dem Bewerben des Buches und unter Angabe des Erscheinungsdatums tritt der Titelschutz in Kraft.

Eine Ausnahme sind die Titelschutzanzeigen im Börsenblatt (zu buchen unter: http://www.boersenblatt.net/titelschutz). Wenn ein Titel dort gemeldet wird, gilt er als geschützt. Allerdings unter zwei Voraussetzungen: Das Buch muss zum Zeitpunkt der Meldung bereits in Bearbeitung sein und es muss, wie bei der Vorankündigung auch, in angemessener Frist erscheinen (das sind in der Regel 6 Monate).

Wann hat ein Titel eine eigene Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft, darf also überhaupt geschützt werden?

Damit ein Titel geschützt werden kann, muss er dazu geeignet sein, das Buch, das ihn trägt, von anderen Büchern zu unterscheiden. Titel, die dieses Kriterium nicht erfüllen, sind nicht schutzfähig. Sie können eine Schutzfähigkeit erreichen, wenn sie aufgrund der Verbreitung als Marke wahrgenommen werden. Titel wie „Liebe in Zeiten der Cholera“ sind eindeutige, „starke“ Titel und somit als Unterscheidungskriterium geeignet. Die gesetzlichen Anforderungen sind hier allerdings sehr gering, auch ein Kochbuchtitel wie „Pizza & Pasta“ ist geschützt. Nicht schutzfähig sind allgemeine Bezeichnungen wie „Auto“, geografische Bezeichnungen wie „Spanien“ oder Namen historischer Persönlichkeiten wie „Sissi“. Auch Gattungsbezeichnungen wie „Lehrbuch“ oder „Reiseführer“ sind nicht geschützt. Aber: „Baedekers Reiseführer“ ist mit dem kennzeichnungskräftigen Zusatz wiederum geschützt.

Am besten: Titel immer sorgfältig prüfen!

Herauszufinden, ob ein Titel nun ausreichend kennzeichnungskräftig ist oder nicht, ist eine Sache, über die sich auch Juristen streiten. Daher ist es besser, es nicht darauf ankommen zu lassen und genau zu prüfen, ob der Titel bereits genutzt wird.

Die erste Anlaufstelle für die Recherche ist hier das „Verzeichnis Lieferbarer Bücher“ (VLB, www.vlb.de). Die Datenbank ist die Preisreferenzdatenbank für den Buchhandel, weswegen Verlage ihre Titel dort in der Regel melden. Eine weitere Datenbank, die eine gute Übersicht bildet, ist die Deutsche Nationalbibliothek (www.dnb.de).

Weiterhin sollte man alle Titelschutzanzeigen, die in den zurückliegenden sechs Monaten im Börsenblatt veröffentlicht wurden, auf www.boersenblatt.net (Service →Titelschutz) durchsuchen.

Leider gibt es einige Selfpublisher, die ihre Titel weder dem VLB noch der Deutschen Nationalbibliothek melden. Das gilt besonders für E-Book-Veröffentlichungen bei Amazon, also sollte auch unter www.amazon.de recherchiert werden.

Wann endet der Titelschutz? Wann werden somit bereits genutzte Titel wieder frei?

Wenn ein Titel nicht mehr verwendet wird, endet auch der Titelschutz. Das bedeutet, wenn ein Buch längere Zeit nicht mehr aufgelegt wird, läuft der Titelschutz ab. Als „längere Zeit“ werden in der Regel zwei Jahre angesehen, bei Zeitschriften ist es nur ein Jahr.

Bei gemeinfreien Werken darf der Titel beim Nachdruck des Werkes natürlich ebenfalls verwendet werden. Jedoch darf er bei anderen Büchern keine Verwendung finden, denn dann besteht Verwechslungsgefahr. Bei anderen Fassungen des gleichen Buches ist es wiederum erlaubt, also z. B. bei einem Comic nach der Vorlage eines Romans.

Über die Autorin

thoms_72dpiSandra Thoms ist die Geschäftsführerin des Dryas Verlags und außerdem freie Übersetzerin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .